Gesellschaft für Personzentrierte Psychotherapie und Beratung e.V.

Presse und Aktuelles

Köln, 23. Januar 2018

Gutachten des WBP zur wissenschaftlichen Anerkennung der Humanistischen Psychotherapie

PRESSEMITTEILUNG

WBP-Vorgehensweise aus Sicht der GwG unstimmig und mangelhaft
 

Die Humanistische Psychotherapie kann nach Einschätzung des Wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie (WBP) nicht als wissenschaftlich anerkanntes Psychotherapieverfahren gelten. Zu diesem Schluss kommt der WBP nach sechsjährigen Beratungen in einem aktuellen Gutachten. Die Humanistische Psychotherapie könne daher nicht „als Verfahren für die vertiefte Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten empfohlen werden“.

Aus Sicht der GwG sind die Bewertungen des WBP in hohem Maße sachwidrig. Die „Arbeitsgemeinschaft Humanistische Psychotherapie“ (AGHPT) hatte in ihrem Antrag an den WBP über 300 Wirkstudien vorgelegt, die überwiegend in internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften publiziert worden waren. Von diesen hatte der WBP lediglich 29 Studien als Wirksamkeitsnachweise nach seinen aktuellen Kriterien anerkannt. Abgelehnt wurden beispielsweise Studien, die der Habilitation an einer deutschen medizinischen Fakultät zugrunde lagen. Ebenso eine Studie, die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert, in der renommierten Zeitschrift „Psychotherapy and Psychosomatics“ veröffentlicht und von der „Society of Psychotherapy Research“ mit dem internationalen Forschungspreis der SPR ausgezeichnet worden war. 


Der WBP hat, nach Einschätzung der GwG, in der Entwicklung seines Gutachtens gegen zentrale Regeln der Wissenschaft verstoßen. So ignorierte er in einem Fall das Urteil von Fachvertretern und die Stellungnahme des Autors einer Studie. Noch dazu hatte der WBP, von 27 Wirksamkeitsstudien, die er 2002 anerkannt hatte, nun 26 Studien abgelehnt. Auf die Beanstandung der AGHPT zu Fehlbewertungen ging der WBP in seinem Gutachten nicht einmal ein. 


„Ein so extremer, einseitig vorgenommener Gesinnungswandel hat mit seriöser Begutachtung – geschweige denn mit wissenschaftlichem Vorgehen – nichts gemeinsam“, sagt Prof. Dr. Jürgen Kriz, Emeritus für Psychotherapie und Klinische Psychologie an der Universität Osnabrück, approbierter Psychotherapeut und Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der GwG. 

Die GwG ist überzeugt, dass nach dieser WBP-Vorgehensweise eine Überprüfung der Richtlinienverfahren ebenfalls zu dem Ergebnis kommen würde, dass diese „nicht wissenschaftlich“ sind und nicht „für die vertiefte Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten empfohlen werden können“.

Zahlreiche durch die AGHPT beanstandete Bewertungen zeigen aus Sicht der GwG die Unstimmigkeit und die mangelnde Seriosität in der Vorgehensweise des WBP (vgl. hierzu etwa die Stellungnahme der AGHTP vom 18.09.2017). Das Ergebnis des WBP-Gutachtens ist damit stark infrage zu stellen. 

 

Ansprechpartner für die Presse:

Prof. Dr. Jürgen Kriz
Mail: kriz@uos.de
Tel.: 0541 – 433731

 

>> Lesen Sie zu diesem Thema auch den Blog-Beitrag von Jürgen Kriz!