Gesellschaft für Personzentrierte Psychotherapie und Beratung e.V.

Presse

Köln, 27. Oktober 2014

„Weitere Sparmaßnahmen verschlechtern die therapeutische Versorgung“

PRESSEMITTEILUNG
 

Referentenentwurf zum GKV-Versorgungsstärkungsgesetz ist aus Sicht der GwG zu wenig durchdacht

Das geplante GKV-Versorgungsstärkungsgesetz, mit dem die Bundesregierung die medizinische und psychotherapeutische Versorgung verbessern möchte, ist bei vielen Verbänden umstritten. Auch aus Sicht der GwG enthält der Referentenentwurf deutliche Mängel: Insgesamt 7.400 psychotherapeutische Praxen sollen abgebaut werden, um eine Überversorgung in manchen Gebieten zu verhindern. Maßgebend hierfür ist die Bedarfsplanung aus dem Jahr 1999. „Die Zahlen von damals haben jedoch längst nichts mehr mit der heutigen Situation gemein“, sagt Kerstin Engel vom Vorstand der GwG. Wäre die Gesprächspsychotherapie im Zuge des Psychotherapeutengesetzes nicht von der sozialrechtlichen Zulassung ausgeschlossen worden, wären auch viele weitere gut ausgebildete Therapeuten mit ins System aufgenommen worden und hätten damit die Bedarfszahl erhöht. „So aber muss die Profession heute mit den Folgen einer ‚Richtlinieneinengung‘ umgehen – und Klienten müssen noch längere Wartezeiten in Kauf nehmen“, so Engel.


Beispiel: Nordrhein-Westfalen. Hier sind die Therapeuten in den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) Nordrhein und Westfalen-Lippe zusammengeschlossen. Beide KVen decken viele Ruhrgebietsstädte und Regionen in der Nähe dieses Ballungszentrums ab. Insgesamt 1.740 Praxissitze wären in NRW nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung bedroht. „Die Wartezeiten im Ruhrgebiet sind ohnehin schon unzumutbar hoch – 6 bis 12 Monate für ein Erstgespräch sind da durchaus üblich. Durch Praxisaufkäufe würde sich die Versorgung noch weiter verschlechtern“, so Engel.


Fragwürdig an dem Gesetzentwurf ist für die GwG auch die geplante Einführung einer psychotherapeutischen Sprechstunde. „Klienten könnten hierdurch zwar theoretisch leichter das für sie passende Versorgungsangebot finden. Allerdings fehlt es an Überlegungen darüber, mit welchen Ressourcen die niedergelassenen Psychotherapeuten eine solche Aufklärungsarbeit leisten sollen und wie die Vergütung hierfür geregelt sein könnte“, so Engel.


Jedes Gesetz, das im Bereich der Psychotherapie weitere Einsparungen und Reglementierungen mit sich bringt, sei Engel zufolge schädlich – sowohl für Menschen mit psychischen Erkrankungen als auch für die niedergelassenen Psychotherapeuten. „Der Referentenentwurf ist ein Widerspruch in sich: Ein solches Gesetz würde die psychotherapeutische Versorgung in Deutschland nicht stärken, sondern erheblich schwächen.“

 

GwG-Ansprechpartner für die Presse:
Kerstin Engel
GwG-Vorstand und niedergelassene Psychotherapeutin
Tel.: 02064 / 970254
Mail: engel@gwg-ev.org