Gesellschaft für Personzentrierte Psychotherapie und Beratung e.V.

Presse und Aktuelles

Köln, 24. April 2014

„Forschungsgelder besser nutzen“

PRESSEMITTEILUNG

 

Die GwG hält das Forschungsnetz des BMBF zu psychischen Erkrankungen für unzureichend.

Nach Plänen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sollen ab dem Sommer 2014 bis zu 35 Millionen Euro in ein deutschlandweites Forschungsnetz für psychische Erkrankungen investiert werden. Viele der darin enthaltenen Vorhaben sind aus Sicht der GwG fragwürdig und scheinen sich nicht mit dem humanistischen Menschenbild zu decken, so wie es der Personzentrierten Psychotherapie zugrunde liegt.

So geht es an der Universität Regensburg nach Informationen des BMBF um die Erforschung einer pharmakologischen Behandlung von Depression mit einem Antibiotikum, das bisher bei Infektionskrankheiten eingesetzt wurde. An der Universität München sollen neue „Stimulationsverfahren des Gehirns“ sowie der Einsatz von „Neurostimulationsverfahren bei Depression, Angststörungen und anderen psychischen Erkrankungen“ untersucht werden. Diese Forschungsansätze widersprechen dem Verständnis vom Individuum, das die GwG mit vielen anderen humanistischen Vertretern teilt. Die Gesprächspsychotherapie des amerikanischen Psychologen Carl R. Rogers hat sich als hochwirksame Behandlungsmöglichkeit herausgestellt. Ihr Kerngedanke ist, dass der Mensch an seiner eigenen Entwicklungsfähigkeit und Gesundung interessiert ist und bei psychischen Erkrankungen vor allem Unterstützung darin benötigt, seine innewohnenden Ressourcen zu stärken.

„Es darf nicht allein um einen symptombezogenen Umgang mit Störungen gehen“, sagt Kerstin Engel vom Vorstand der GwG. „Die Forschungsgelder sollten vielmehr auch dazu genutzt werden, um einen ganzheitlichen Blick auf den Menschen als Person zu bekommen.“
 
Die Gesprächspsychotherapie, für die sich die GwG seit mehr als 40 Jahren einsetzt, ist in hohem Maße geeignet, psychisches Leiden zu lindern, es zu heilen und auch zu verhindern. Es steht den gesetzlich Versicherten in Deutschland jedoch nicht zur Verfügung, da es bislang nicht in den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aufgenommen wurde. Dieser Zustand ist aus Sicht der GwG nicht hinnehmbar, da er seit dem Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes (PTG) 1999 eine Beschränkung der Behandlungsmöglichkeiten von psychisch erkrankten Menschen darstellt. Die GwG fordert die Aktiven in der Gesundheitspolitik daher nachdrücklich zum Handeln auf.

 

GwG-Ansprechpartner für die Presse:
Kerstin Engel
GwG-Vorstand und niedergelassene Psychotherapeutin
Tel.: 02064 / 970254
Mail: engel@gwg-ev.org