Gesellschaft für Personzentrierte Psychotherapie und Beratung e.V.

MAAZ-LOSER MISSBRAUCH PSYCHIATRISCHER DIAGNOSEN

28. Januar 2016 / Jürgen Kriz

Die Frage, wie Europa – und in diesem Kontext besonders auch: Deutschland – mit der Herausforderung durch über 1 Million Flüchtlinge allein in 2015 umgehen soll, erhitzt zunehmend die Gemüter. Kontroversen verschärfen sich; einfache Lösungen gibt es nur an den Stammtischen.

Kein Wunder, dass manche Medien, wie Focus-Online, darauf anspringen, wenn jemand kräftig Öl ins Feuer schüttet. So wird am 25.01.16 mit Video und Text von Focus-Online den Psycho-Tiraden von Hans-Joachim Maaz eine mediale Plattform geboten: Unter der Überschrift „Renommierter Psychiater warnt: Merkels ‘narzisstisches Problem‘ ist gefährlich für Deutschland“ wird aus einem Interview von Maaz mit der  „Huffington Post“ psychiatrisches Pseudo-Analytisches zitiert. Dort hatte er Merkel „bedenkliche Wesenszüge“ „attestiert“ und ihr Verhalten als „vollkommen irrational“ eingestuft. Mehr noch: Sie habe eine "narzisstische Grundproblematik", die „zu einer wachsenden Gefahr für das Land“ werde; und: „Wenn Merkel weiterhin an ihrem Machtkampf festhält, dann stehe ihr ein psychischer oder psychosomatischer Zusammenbruch bevor, so Maaz.“

Nun kann man sicherlich in der Flüchtlingsfrage und zu anderen Themen unterschiedliche Ansichten vertreten. Und als Maaz bereits im Oktober 2015 in der „Thüringischen Landeszeitung“ mit dem Ausspruch „Merkel ist von allen guten Geistern verlassen“ massenmediale Aufmerksamkeit zu erlangen versuchte, trat er wenigstens noch als jemand mit seiner Privatmeinung auf.

Nun aber wurde die Grenze des Anstands einerseits und der Professionalität andererseits deutlich überschritten. Indem Maaz hier den Anschein erweckt, es handle sich um eine psychiatrische Fachdiagnose, um seiner politischen Agitation mehr Seriosität zu verleihen, missbraucht er das Instrument psychopathologischer Diagnosen auf unprofessionelle und unanständige Weise.  
Ein solches Fehlverhalten in unserer Zunft kann und darf nicht unkommentiert bleiben – gerade wegen des massenmedial als „Zitate“ kaschierten Beifalls.